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Farbtafel 9: Das Farbdifferenzierungsvermögen
Was die Helligkeit betrifft, kommt Gouras auf 500 unterscheidbare Abstufungen. Er hat jedoch schrittweise heller werdendes Licht in einem dunklen Raum angeboten. Die Lichtempfindlichkeit des Auges kann innerhalb von ca. 25 min. auf das 10.000 fache steigen (Goldstein 1997, S. 53). So werden in Schatten, die ursprünglich als schwarz empfunden wurden, bei Gouras´ Versuchsanordnung fälschlicherweise Differenzierungen möglich. Die Unterscheidungsvielfalt bei gleichzeitig dargebotenen Reizen liegt demgegenüber bei etwa 60. (Die Darstellung oben zeigt 29 Graustufen.) Was die unterscheidbaren Sättigungswerte betrifft, komme ich genau wie Gouras auf 20. Wie viele unterscheidbare Farben ergeben sich daraus? Nach Gouras: 200 mal 500 mal 20 = 2 Millionen. Meinen Untersuchungen zufolge können 60 Farbtöne in 20 Sättigungsstufen vorkommen, macht 1200. Diese Zahl muß jedoch halbiert werden, da sich die Unterscheidbarkeit der Farbtöne mit abnehmender Sättigung ungefähr linear verringert, macht 600 differenzierbare Farben. Diese können in 60 Helligkeitsstufen vorliegen, macht 36.000, wobei in extrem hellen und dunklen Bereichen das Unterscheidungsvermögen abnimmt. So komme ich auf maximal 18.000 unterscheidbare Farben am Papier. Eine fast so hohe Genauigkeit ist auch bei auseinanderliegenden Farben zu erreichen, zu deren Vergleich wir die zuerst wahrgenommene Farbe einen Augenblick zwischenspeichern müssen.
So ist zu erkennen, daß die gezeigten Quadrate unterschiedliche Grautöne enthalten (1 und 2 aus der oberen Leiste). Objektfarben können bei täglich wechselnden Verhältnissen des Lichtes und des Hintergrundes aufgrund mangelnder Farbkonstanzleistung (z.B. durch Kontrastüberhöhung) somit weder exakt erkannt noch wiedererkannt werden. Zur Objekterkennung werden nach meinen Schätzungen also bestenfalls 20 Farbtöne, 15 Helligkeits- und 9 Sättigungsstufen wirksam, macht rund 700 unterschiedene Objekteigenfarben, von denen möglicherweise die Hälfte nicht besetzt sind, weil sie in der Umwelt kaum vorkommen (Milkakuh), also verbleiben 350 Farben zur Unterscheidung von Objekten. Farbdifferenzierung spielt auch eine Rolle bei der Konturierung von Objekten. Dabei kommt nicht nur der Kontrastumfang von schwarzen zu weißen Objekten zum tragen, sondern jener vom tiefsten Schatten und hellsten Licht, das bei gleicher Adaption (also ohne größeren zeitlichen Abstand) verarbeitet werden kann. Der Computerbildschirm kann in einem dunklen Raum den nötigen Kontrast erzeugen. Wir vermögen meinen Versuchen zufolge in diesem Fall bis zu 200 Helligkeitsstufen zu differenzieren, so komme ich auf 60.000 Unterscheidungen für die Konturfindung. |
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